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Hanoi und Halong Bucht

Hanoi und Halong Bucht Reisbericht


Schon vor abertausenden von Jahren war Vietnam ein bedrohtes Land. Umgeben von mächtigen Riesen, wie China und dem ehemaligen Khmerreich, drohten bei einer Küstenlinie von fast 8000 km auch Gefahren von dem Meer aus.

Dem armen, vietnamesischen Volk blieben zur Verteidigung keine Mittel. So beteten sie. An ihre Ahnen und die Naturgötter. Die Legende zur Entstehung der der Karstberginseln auf 50 km2 besagt, dass sie Hilfe von einer Drachenfamilie bekamen, die die Götter auf die Erde sendeten: nach Ha Long Bay (übersetzt: Bucht der landenden Drachen). Nicht nur die Mutterdrachin, sondern auch ihre Kinder kamen mit, so dass die Bucht dreigeteilt ist: wir durchqueren die Bucht der Drachenkinder Bai Tu Long auf einem kleinen, feinen Kreuzfahrtschiff. Dort wo die Kinder durch das Spiel mit ihren Drachenschwänzen das Meer aufwirbeln, liegt die Bach Long Vy Bucht. Die Drachen senden zunächst zu Inseln werdende Jadesteine und beschließen schließlich selbst hier wohnen zu bleiben und Vietnam zu verteidigen.

Halong Bucht in Vietnam
Halong Bucht in Vietnam

Wir sind fünf Passagiere und sechs Personalmitglieder. Zwei Tage schippern wir auf einem Mini-Kreuzfahrtschiff und genießen das raue Brummen des Bordmotors, vergessen die Hektik und das wilde Gehupe in Hanoi, nur um danach noch tiefer in die vietnamesische Kultur der Großstadt von sechs Millionen Einwohnern und sieben Millionen Rollern einzutauchen.

Ha Long ist seit 1994 Weltkulturerbe und seit 2011 in die Liste der neuen Weltwunder aufgenommen worden. Die teils kahlen, teils dicht bewachsenen Inseln aus 80 % Kalkstein ragen schroff aus dem Meer, heben sich von dem weiß-blauen Himmer und dem türkis-grünen Meer ab. Zu große, schwere und somit tief liegende Schiffe können sie nicht durchqueren. Riffe und Felsen sind tückisch. Trotz anderer, im traditionellen Stil gehaltenen Kreuzfahrtschiffe, selten mit größerer Kapazität als 25 Personen, fühlen wir uns beim See-Kajakfahren wie Abenteurer, erforschen einzelne Inseln, z.B. die dicht bewaldete Tuan Chau, besichtigen Trocken-und Nasshöhlen und strahlend weiße Strände. Leider ist das Baden aufgrund des hohen Vorkommens von Quallen offiziell verboten. Wir machen einen Kochkurs, lernen Frühlings- und Sommerrollen zubereiten und Angeln des nachts erfolgreich Tintenfische.

In Hanoi wohnen wir zunächst etwas abseits der Altstadt, der Haupttouristenattraktion in Hanoi, und lassen in Hochhausschluchten selbst gebastelte Drachen fliegen, kochen mit unserer Couchsurfingfamilie gemeinsam frittierte Frühlingsrollen, essen jeden Morgen eine unterschiedliche Nudelsuppe, testen zahlreiche Straßenstände, schütteln uns bei dem Versuch Kondensmilch mit einem Schuss starken Kaffee zu trinken und finden Freunde.

Nudelsuppe Bunh Kanh
Nudelsuppe Bunh Kanh

Töchterlein genießt die Zeit unter Kindern. Wir gehen in das Wasserpuppentheater, das seinen Ursprung in der Regenzeit Nordvietnams und den Bauern bestellenden Nassreisfeldern hat. Mittlerweile ist es zu einer Touristenattraktion geworden, doch nicht minder sehenswert! Die Musik ist traditionell, live und auf hohem Niveau.

Vor allem erhole ich mich von 27 Stunden Busfahrt, eingepfercht in Liegepositionen, doppelstöckig beladen und dank Klimaanlage tiefgekühlt wie zukünftige Brathähnchen auf Schotterpisten, durchs Gebirge und kurvigen Straßen von Laos nach Vietnam.

Die Gehsteige nicht nur der Altstadt, in dem sich gesprenkelt gelbe, französische Kolonialbauten wie die Hanoi Oper finden, sondern generell in jedem Wohnviertel, sind erweiterte Lebensräume und immer überfüllt: Garküchen mit ihren bunten Plastikhockern blockieren jeden Gehsteig, gemeinsam mit Rollern, spielenden Kindern, quatschenden Rentnern, Einkaufstüten, Obstständen, etc.

Das Essen könnte leckerer nicht sein. Ich plädiere: traut euch und probiert es! Meidet ggf. das rohe Rindfleisch, achtet auf viele andere Mitessenden, denn das spricht für frische Zutaten, die schnell verbraucht werden, oft haben Garküchenbetreiber auch Plastikhandschuhe (unbekannter Benutzungsdauer ;)) beim Zubereiten der Speisen an, oder einen Kassierer, der Geld, aber kein Essen anfasst. Allerdings sind gerade in Garküchen die frischen Kräuter und Salate das leckerste, vor denen jeder Reiseführer warnt (Jeder kennt den Spruch: Cook it, peel it or leave it!). Unseren Bäuchen schadet das Grünzeug allerdings nicht.

Nach unserem Kurztrip zu Halong Bay wechseln wir unsere Couchsurfing Hosts und machen eine der besten Erfahrungen auf einer Reise: wir wohnen gemeinsam mit fleißig Deutsch lernenden Vietnamesen in einem typischen Hanoi Haus: es ist bunt, schmal und fünfstöckig. Jedes Stockwerk hat nur ein Zimmer, traditionell wurde der Hauspreis an der Frontfläche des Ladens im Erdgeschoss bemessen. Dies hat sich mittlerweile geändert, doch die Tradition bleibt.

Couchsurfing in Hanoi
Couchsurfing in Hanoi

Das Viertel ist geprägt von verwinkelten Gässchen, kaum Verkehr und Straßencafes. Wir sind ca. 20 Personen und wir arbeiten als Deutsch-Tutoren. Wir unterhalten uns, gehen gemeinsam schwimmen, haben private Fremdenführer, unterrichten Grammatikeinheiten und üben die deutsche Aussprache. Wir sprechen Deutsch gegen Kost und Logis, ein fairer Deal. Alle hier lernen am Goethe-Institut Deutsch und hoffen auf das Bestehen der Sprachprüfungen B1 oder B2, um in Deutschland zu studieren, zu arbeiten oder eine Ausbildung machen zu können (besonders viele möchten die händeringend gesuchten Berufe Altenpfleger oder Krankenpfleger ergreifen). Es macht unendlich viel Spaß! Wir kochen und essen jeden Tag gemeinsam, lachen, scherzen, wohnen in nach Geschlechtern getrennten Schlafsälen und genießen das Leben.

Hanoi - Julian macht Musik
Hanoi - Julian macht Musik

Wir machen Food-Sightseeing Touren, erlaufen uns Hanoi mit seinen Gassen und Gässchen, passieren Tempel und Kirchen (der Katholizismus ist nach dem Buddhismus mit 7 % die zweitgrößte Religionsgruppierung in Vietnam), Ausfallstraßen und Highways, den Literaturtempel (die erste Universität Hanois) und wir balancieren auf den Schienen der sogenannten Zugstraße. Sobald ein Zug kommt, werden Tische, Wäsche, Hühner, Kinder von den Schienen geräumt und der tutende Zug erfüllt die Gasse.

Eine weitere Empfehlung ist das Vietnam Women Museum, ein sehr gut aufbereitetes, detailreiches Museum zum Leben der modernen Frau, Hochzeit, Geburt der Kinder und zur Rolle der Frau in der Geschichte, wie. z.B. während des Vietnamkriegs, unterschieden nach Ethnien und Geografie. Gerade für Familien ist das für vietnamesische Verhältnisse wenig dogmatische Museum empfehlenswert!

Beim Friseur in Hanoi
Beim Friseur in Hanoi

Diverse Hanoi Biere, leckere Nudelsuppen, Unmengen an Reis später, mit neuen Frisuren, neu gewonnen Freunden und der Erkenntnis, dass wir in diese bunte, sich rasend entwickelnde, niemals still stehende, stinkend-laute und freundliche Stadt wiederkommen werden. So viel mehr gilt es zu entdecken: das Hoh Chi Minh Mausoleum, den West Lake, das Kriegsmuseum und immer wieder neue Ecken in der Altstadt. Dann geht es einmal mehr für 15 Stunden in ein Nachtzugabteil: Wir fahren nach Da Nang und Hoi An in Mittelvietnam.

Hier findest du alle Infos und laufende Reiseberichte zu Veras Weltreise 2018/19.

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