Hochsensibilität bei Kindern: wie erkenne ich (m)ein hochsensibles Kind?

Hochsensibilität bei Kindern erkennen


Wie erkenne ich, ob mein Kind hochsensibel ist? Und was mache ich dann?

Was in der Wahrnehmung vieler Menschen, eine Modediagnose zu sein scheint, die es immer häufiger zu hören gibt, ist in Wahrheit keine Diagnose. Hochsensibel zu sein ist eine Charaktereigenschaft, sie ist nicht behandlungsbedürftig, wird jedoch genetisch festgelegt, etwas die Händigkeit. Dennoch ist es wahr: Die Auseinandersetzung mit Hochsensibilität nimmt zu, die Gesellschaft wird offener für Menschen, die von veralteten (Rollen-) Bildern der Norm abweichen, sie wird diverser, integrativer und inklusiver. So darf man getrost auf eine weitere Besonderheit schauen: Die Hochsensibilität, die so selten gar nicht ist.

Ca. 20% der Bevölkerung weltweit (laut Entwicklungspsychologe J. Kagan) können als hochsensibel gelten und dies auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Generell wird von dem Nervensystem jedes Menschen im Gehirn eine Vorauswahl der Informationen und Wahrnehmungen getroffen, die wir bewusst wahrnehmen und verarbeiten: Sinneseindrücke, wie Geräusche, Lautstärken, Farben, Berührungen, aber auch zwischenmenschliche Stimmungen. das Gehirn funktioniert wie ein Filter.

Bei hochsensiblen Menschen ist der Filter auf sehr durchlässig gestellt, es kommen weit mehr ungefilterte Informationen im Bewusstsein an, als bei "normal" (Ich setze bewusst "normal" in Anführungszeichen, denn was ist schon normal? Wer legt dies fest? Ist nichts alles und nichts normal?).

Gerade bei Kindern, die von Natur aus Sinneseindrücke bewusster erleben, noch ohne jahrzehntelang erlernte Schubladen, in die sich Informationen im Gehirn ablegen lassen, für die es noch viele "Erste-Male" und Aha-Erlebnisse gibt, kann dies zu einer Überforderung führen, welche sich in Verhaltensschwierigkeiten oder auch körperlichen Symptomen, wie z.B. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Schlafschwierigkeiten äußern können.

Beispiele, in welchen Bereichen Kinder Wahrnehmungen intensiver und umfangreicher wahrnehmen könnten

Berührungen (Tastsinn)

Beispielsweise werden Streicheleinheiten als störend empfunden, Sockennähte kratzen, Kleidungsetikketten müssen herausgeschnitten werden, Hosenbünde dürfen niemals den Bachnabel berühren, Frisuren schmerzen an der Kopfhaut, Rollkragenpullis oder Schals führen zu Brechreiz...

Hören (olfaktorische Reize)

Häufig sind Geräusche zu laut und unangenehm, in Restaurants fällt es dem Kind schwer, sich auf das eigene Tischgespräch zu konzentrieren, da es alle anderen Gespräche ebenso laut wahrnimmt, Kinder sind leichter abgelenkt.

Sehen

Sonnenlicht wird als sehr grell empfunden, zu bunte Farbspiele, z.B. an Wänden oder in Bildern machen nervös, Kleinigkeiten, die andere gerne übersehen, werden entdeckt und wertgeschätzt

Riechen

Gerüche lösen schnell Übelkeit aus, zu starke, unnatürliche Gerüche (wie Parfum) werden als störend empfunden. Menschen werden gemocht "weil sie gut riechen" (dies ist generell so, bei gegenseitigen Sympathien spielt der Geruchssinn eine große Rolle, doch hochsensible Kinder können dies häufig benennen).

Schmecken

Lebensmittel werden aufgrund ihrer Konsistenz verschmäht.

4 Aspekte der Hochsensibilität

Die amerikanische Forscherin Elaine Aron (et al.) konnte 2014 signifikante Unterschiede in der Reizverarbeitung der Gehirne zwischen hochsensiblen und normalsensiblen Kindern feststellen. Sie beschreibt vier Aspekte als Hinweise auf Hochsensibilität:
  • sehr tiefe Verarbeitungsprozesse
  • Neigung zur Überstimulation
  • Feinfühligkeit
  • schnelle emotionale Erregbarkeit


Nich alle hochsensiblen Kinder zeigen alle oben genannten beispielhaften Verhaltensweisen, manchmal beschränkt sich die hochsensible Wahrnehmung auf einen der fünf Sinne oder auf die zwischenmenschle Wahrnehmungsebene.

ANZEIGE

Introvertierte und extrovertierte Kinder

70% der hochsensiblen Kinder sind introvertiert, ca. 30 % extrovertiert.
Während erstere ruhiger, nach innen gewandt, mehr mit sich als mit anderen beschäftigt sind, gerne alleine sind, sind letztere schwerer auszumachen: Im Englischen nennt man sie auch "highly sensitive person and high sensation seeker (Elaine Aron)). Häufig geraten sie für Außenstehende plötzlich in die Überreizung, haben Stimmungsschwankungen, scheinbar grundlose Wutausbrüche.

Hochsensibilität im Säuglingsalter

Hochsensibilität zeigt sich bereits im Säuglingsalter, häufig geraten betroffene Babys schneller in Stress. Es wird vermutet, dass unter Schreibabys prozentual mehr hochsensible Menschen zu finden sind, als in der Vergleichgruppe. Hier hilft nur: Reize nachhaltig reduzieren, rechtzeitige, individuelle Pausen machen.

Im Kleinkindalter übernehmen die Eltern die Sorge dafür. Schulkinder können ihre nötigen Pausen bereits selbst unter Anleitung spüren. Gerade Kinderzimmer sollten nicht überfrachtet sein, um die Sinne nicht überzustimulieren. Gefühlstaus sollten liebevoll begleitet und müssen auch von Seiten der Eltern erst einmal geduldig ausgehalten werden (gar nicht immer so einfach im Alltag, glauben Sie mir ;)).

Weitere Merkmale hochsensibler Kinder

  • Hochsensible Kinder sind häufig sehr neugierig und suchen nach mehr Informationen, welche ganzheitlich verarbeitet und häufig von allen Seiten intensiv beleuchtet werden. So kommt es (nicht immer!) zu besonderen Leistungen auf Teilgebieten.
  • Erlebte Siutationen klingen lange nach und brauchen Zeit, um verarbeitet zu werden.
  • Veränderungen werden tendenziell eher abgelehnt als willkommen geheißen, gerade Grundschulkinder machen sich häufig viele Gedanken über die Welt (z.B. Politik, Umweltverschmutzung, etc.) - welche sie nicht selten am Einschlafen hindern.
  • Häufig sind hochsensible Kinder intelligent, kreativ, sehr harmoniebedürftig, reifen geistig schneller (sozial-emotional jedoch nicht!), leben vorrauschauend und finden für (fast) jedes Problem eine unkonventionelle Lösung.


  • Alle Kinder und in besonderem Maße hochsensible Kinder profitieren von einer gesunden, stabilen und liebevollen Elter-Kind-Bindung, sodass sie ihr Potential voll ausschöpfen können.

    Buchtipp

    Mein hochsensibles Kind, Cordula Roemer und Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns*

    Quellen

    Acevedo, Bianca & Aron, Elaine & Aron, Arthur & Sangster, Matthew-Donald & Collins, Nancy & Brown, Lucy. (2014). The highly sensitive brain: An fMRI study of sensory processing sensitivity and response to others emotions. Brain and Behavior. 4. 10.1002/brb3.242.
    E. Aron (2011). Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen, MVG Verlag bei Realien.
    Kagan, J. (1994). Galens Prophecy: Temperament in Human Nature. Basic Books

    Was möchtest du nun tun?

    Mehr von Vera Gramm lesen
    In die Aromatherapie zum Entspannen schnuppern
    Mich über funktionelle Bauchschmerzen beim Schulkind informieren
    In leckeren Kinderrezepten stöbern

    © familienkost.de
    * Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. (Dies ist ein Affiliate-Link, der uns beim Kauf mit einer kleinen Provision unterstützt dieses Familienmagazin zu finanzieren. Für euch ändert sich am Preis dadurch nichts.)
Zur Kategorie Schule

Zur Kategorie Startseite

Schlagworte:  

Pin mich!

Babybrei mit Spargel


ANZEIGE

ANZEIGE