Jakarta

Auf Weltreise in Jakarta (Indonesien)


Fortsetzung: Nach dem Rollerunfall auf Java verbringen unsere Backpacker umplanmäßig einen längeren Aufenthalt in Jakarta


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Nur ganz langsam löst die Schwere sich auf und die Leichtigkeit kommt zurück. Zwei Wochen lang interessierte uns nichts anderes als Julians Gesundheit, Arztbesuche, Krankenhäuser und das tägliche Ein- und Ausatmen.

Langsam kommt sie zurück, die Weltwachheit und wir trauen uns hinaus. Julian bleibt im Bett, die Energie reicht zum Gesundwerden, da glauben wir fest dran, doch zu mehr noch nicht. Doch die Müdigkeit, die der Unfall und seine Folgen hervorrief, sitzt tief in den Knochen. Dem Leben fehlt noch die Luftigkeit des Reisens, nach wie vor sind wir in Jakarta gestrandet und gedulden uns bis Knochen zusammenwachsen und Kiefer befreit werden. Gleichzeitig sind wir voller tiefer Dankbarkeit für das, was ist und für das, was nicht geschah.

Eine Begegnung, eine einzige reicht aus, um Unmut zu pflanzen. Ein Mann, nett, freundlich, hilft uns über die Straße, bringt uns zur Moschee, in die er selbst möchte und hält dann die Hand auf: es war keine Freundlichkeit, die ihn zu seinen Taten verleitete, sondern Geschäftssinn. Schade für mich, aber vermutlich verständlich für ihn. Der, der meine Träume verrät, Träume von der Gleichberechtigung, des Geben und Nehmens, von der Freundlichkeit unter Fremden. Vier Weiße, vier Touristen, schwitzend auf einer Parkbank, war wohl zu verlockend.

Die nächste Unzulänglichkeit des Tages trifft mich in der Moschee der Freiheit, Istiqlal Mosque, der größten Moschee Asiens. Der für Touristen zuständige Mann ist ungeheuer wichtig, dickbäuchig, klein und leidet unter einem schmalen Ego. Anders kann ich mir die unfreundliche, herablassende Art, mit der er uns kommandiert und am Ende sein Trinkgeld einfordert (10.000 Minimum, Sir!), nicht erklären. Mich erwischt er auf dem falschen Fuß, ich kann heute solche Sesselpupser in Hemd nicht ertragen, Freunde werden wir nicht. Zudem hat die Moschee Jakarta den Charme einer Bahnhofshalle bei 40 °C.

Jakarta Moschee

Ganz anders fühlt sich die Begegnung im Supermarkt an, ganz unbedeutend und klein, bekomme ich Hilfe von einem Indonesier beim Aufladen meiner Simkarte. Die Gegenleistung die er möchte? Zwei drei Worte auf Englisch, ein wenig Smalltalk, ein Lächeln und schon erkenne ich die Menschlichkeit in mir und meinem Gegenüber...

So gestärkt tuckern wir im dreirädrigen Tuktuk zum nächsten Eiscafé. Dunst umwabert das Nationalmonument, die goldene Flamme reckt sich in den gewitterschwangeren Himmel, meine Schwiegereltern (die zu Besuch sind), Töchterlein und ich haben genug gesehen und nutzen den gemischtgeschlechtlichen Bus (der ausschließlich für Frauen ist bezeichnenderweise rosa) zurück in unser momentanes Zuhause.

Die Altstadt ist geprägt durch Bauten der ehemaligen holländischen Kolonialherren und so radeln Oma und Enkelin bezeichnenderweise auf holländischen Oma Fiez Rädern durch die Hitze.

Jakarta Oma Fiez Radfahren

Auch das mitten im Vergnügungskomplexes Ancol Dreamland gelegene Sea World Aquarium (alternativ wäre noch das ebenfalls schöne, nagelneue Jakarta Aquarium im NeoSoho Podomoro City Central Park zu nennen), wird Ziel eines generationenübergreifenden Tagesausflugs.

Julian und ich verweilen im Hotelzimmer, betrachten den Sommerregen, machen das Licht an zum Lesen und versuchen zu Kräften zu kommen. Meine derzeitige Lektüre entführt mich gedanklich in den Südkaukasus (von Batu nach Batumi) und bringt mich der hupenden, riesigen, wild wuchernden Megametropole gefühlsmäßig nicht näher.

Zum Nationalmuseum, das klein und ok ist (zudem ein wahres Schnäppchen bei einem Eintrittspreis von 40 Eurocent pro Erwachsenem) bringt uns Buslinie 1, hier gilt die Geschlechtertrennung nur in der Sitzordnung. Auch das Händchenhalten ist verboten, ebenso wie der Konsum von Hamburgern und Softdrinks.

Wirklich beliebt und überaus stolz sind die Jakarter auf ihre Malls. Auf die Frage, was es in Jakarta zu sehen/zu tun gibt, haben Malls absolute Priorität. Sie versprühen den Hauch von Glamour, Weltmännischkeit und sind klimatisiert. Hierher gehen Familien zum Essen, Kinder zum Spielen in die englischnamigen Playgrounds, hier wird man gesehen, bewundert und trinkt westlichen Kaffee zu fernöstlichen Spezialitäten. Die Frauen sind adrett gekleidet und weiß gepudert.

Eine Abwechslung ist der nur teilweise drinnen gelegene Spielplatz Kemang, der entfernt an europäisch-russische-Hüpfburg-Wasserspielplätze erinnert und für einen Aktivtag für Kinder bis 10 Jahren viel Spaß verspricht. Da Töchterlein zum Auspowern wahlweise Wasser (am Besten mit Unterwasserhülle für die eigenen Kamera!) oder ein Trampolin benötigt, sind wir in Jakarta gut aufgestellt.

Jakarta Playground

Zudem gießt sie Gipsfiguren und bemalt diese mit großer Leidenschaft und hat die Bücher von Frank. M. Reifenberg Codewort Risiko* im Thienemann-Verlag, welche von Rätseln gespickt sind, für sich entdeckt. Sie sind für Abenteuerliebhaber ab ca. acht Jahren wärmstens zu empfehlen.

An jedem Sonntag von 6 bis 11 Uhr gibt es Auto freie Zonen auf Jakartas Schnellstraßen. Diese werden zum Flanieren, Bummeln, Fahrradfahren, Joggen und zum gesellschaftlichen Leben genutzt. Es herrscht Jahrmarktatmosphäre, es gibt Straßenessen, Musik und jede Menge zu sehen. Doch die Luftfeuchtigkeit und die drückende Hitze lässt uns ca. 5 km laufen und bei einem Frühstück mit Livemusik im erstbesten, geöffneten Restaurant zusammenbrechen. Heimwärts fahren wir im klimatisierten Auto.

Jakarta autofreier Sonntag

Generell nutzen wir die in Asien weit verbreitete App Grab Car, um günstig von A nach B zu gelangen (die Alternative nennt sich Gojek). Dank unserer andauernden Fahrten zum Krankenhaus/Kieferchirurgen/Zahnärztin sind wir bereits Platinmitglied und kennen das (zahlungspflichtige) Autobahnsystem Jakartas wie die deutsche A5 in unserer Heimat...Die Ärzte arbeiten hart daran, dass wir unsere Reise fortsetzen können, doch noch ist nichts sicher, nichts entschieden, wir warten auf Heilung.

P.S.: Zwei weitere Lese- und Hörtipps:

Paul Maar kennen die meisten wegen seiner wunderbar witzigen und geistreichen Geschichten rund um das Sams. Aber kennt ihr auch den Galimat*? Ein kleiner, kugelrunder Kerl, der von Elektro lebt, nicht schläft, sondern gelb wird, alles materialisieren kann und der der beste Freund Jim, einem sympathischen, intelligenten Besserwisser, der das Lexikon auswendig kann, wird...

Ebenfalls aktuell: das neu aufgelegte Buch vom gleichen Autor Neben mir ist noch Platz* (als Hörspiel im Oetinger Audio Verlag erschienen, ca. 40 min). Hier geht es um eine echte Mädchenfreundschaft zwischen Aischa, einem Flüchtlingsmädchen aus Syrien und der deutschen Steffi. Gehen die beiden durch dick und dünn?

27.02.2019
Hier findest du alle Infos und laufende Reiseberichte zu Veras Weltreise 2018/2019.

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