Mongolei - Familienleben zwischen Tradition und Moderne

Mongolei - Familienleben zwischen Tradition und Moderne


Zu viel Geld fürs Portemonaie

In der Mongolei besitzen wir so viele Geldscheine, dass sich unser Geldbeutel nicht mehr schließen lässt: 1 Euro entspricht ca. 2800 Tugrik, Münzen gibt es nicht. Töchterlein ist begeistert von ihren Unmengen an Taschengeld.

Überraschung: neues Immigrationsgesetz

Gleich am ersten Tag in Ulanbaatar, bei der obligatorischen Registrierung bei der Immigrationsbehörde, erfahren wir, dass es ein neues Immigrationsgesetzt seit dem 1. Juli 2018 gibt. Dies betrifft auch Reisende mit deutschem Reisepass, also uns.

Menschen ohne nötiges Einreisevisum, dürfen ihren Verbleib in der Mongolei nicht mehr verlängern. Dies hätte für uns eine Reisezeit von lediglich 30 Tagen bedeutet. Doch auf die Kulanz und die mongolische Freundlichkeit war Verlass: Wir bekommen den ersehnten Stempel und dürfen zwei Monate bleiben.

Voller Neugier und Interesse saugen wir jede Information auf, die uns Couchsurfer, Hosts, Freunde und Musiker bei abendlichen Kochpartys, beim Bier im mongolischen Pub oder bei Bandproben zukommen lassen. Wir möchten offen sein und eintauchen in eine neue (Familien-) Kultur, Mentalität und Gesellschaft fernab von Europa.

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Landflucht und Sozialsystem

Durch die anhaltend hohe Landflucht - in der Hauptstadt Ulanbaatar leben die Hälfte der drei Millionen Mongolen - herrscht hier eine hohe Arbeitslosigkeit.

Ein soziales Auffangsystem gibt es nicht, ebenso wenig für ältere Menschen. Sie verlassen sich ganz auf ihre Familie. Das Pensionsalter ist niedrig, 55 Jahre für Frauen, 60 Jahre für Männer, bei einer mittleren Lebenserwartung von 69,8 Jahren.

In der Stadt ist es, ähnlich zu Deutschland, üblich, dass die Mutter nach der Geburt eines Kindes für drei Jahre zu Hause bleibt, bevor es in einen der wenigen staatlichen oder der vielen privaten Kindergärten geht. Die Schule startet mit sieben Jahren und teilt sich in Grundschule und Highschool, bzw. College.

Staatliches Ziel: Steigerung der Bevölkerung

Nach der Geburt eines Kindes gibt zwei Jahre eine Art Kindergeld: 40.000 Tugrik pro Monat, umgerechnet ca. 14 Euro. Die momentane Regierung, gestellt von der linken, aus der kommunistischen Volkspartei hervorgegangene Peoples Party, möchte die Bevölkerungszahl der Mongolei steigern, so gibt es ab dem 4. Kind eine jährliche Unterstützung von 400.00 Tugrik, ca. 140 Euro.

Das monatliche Durchschnittseinkommen in der Mongolei für das 1. Quartal 2018 betrug umgerechnet 350 Euro, wobei es auf dem Land durchaus üblich ist, große Teile des Familienunterhalts durch Tauschhandel zu bestreiten.

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30 Minuten für ein Dach über dem Kopf

Erstaunt hören wir, dass der Aufbau einer Jurte, hier Ger genannt, gerade einmal 30 min in Anspruch nimmt: ein Helfer wird gebraucht, der den runden, als Fenster und Abzug dienenden Holzring in der Mitte der Jurte nach oben hält, daran werden 82 Dachstreben eingelegt und auf den fächerartig aufklappbaren Rauten- Zaun gelegt wird. Darüber kommen fünf Lagen an Wänden, bestehend aus Stoff, Filz, ggf. Leder und wasserdichter Plane. Eine Jurte passt auf einen kleinen Transporter.

Die mongolische Familie

Um auf die mongolische Familie zurückzukommen, so ist die Namensgebung sehr spannend: Jedes Kind bekommt einen Namen von seinen Eltern, häufig noch einen traditionellen, sich nach den Wochentagen richtenden dazu. Der Vorname des Vaters wird sein Nachname. Dieser bleibt auch bei späterer Hochzeit gleich.

Heiraten

Apropos Hochzeit: Bestimmte Tage im Monat bringen Glück und an diesen wird geheiratet. An der 6 m hohen Dschingis Khan Statue lässt sich die Hochzeitsgesellschaft besonders gerne im Sonnenlicht ablichten.

Wir sitzen dabei und bestaunen die wunderschönen, puppenhaft weiß geschminkten Bräute in pompösen Brautkleidern, deren Freunde in Abendrobe, die Damen in Pumps, die Großeltern in traditioneller, bunter Tracht.

Tatsächlich durfte während der Zeit der Sowjetunion bis 1990 der Name des Nationalhelden Dschingis Khan nicht einmal erwähnt werden, geschweige denn buddhistische, traditionelle Kunst oder Porträts des Landesvater angefertigt werden.

Ein stolzes Volk

Die Mongolen sind sehr stolz auf ihr Volk, auch auf die auf der Welt verstreuten, mongolisch abstammenden Volksgruppen, wie die Kirgisen, die Burjaten und die Kalmücken.

China ist durch die 200 Jahre lange Unterdrückung bis zum chinesisch-mongolischen Krieg 1917 nicht sehr beliebt. Viele Vorurteile gegenüber dem allmächtig erscheinenden Nachbarn begegnen uns in allen Bildungsschichten: es gibt dort zu viele Menschen, sodass die ärmeren Menschen in die Mongolei auswandern und sich hier nicht zurechtfinden und, im schlimmsten Fall, straffällig werden (so die Angst, die vielen Menschen in Deutschland anscheinend vertraut zu sein scheint, glaubt man der Berichterstattung die uns aus unserem Heimatland erreicht: die Angst vor dem Fremden); das chinesische Essen, aus China importiertes Obst z.B., gilt als zweitrangig, ist dafür jedoch günstiger als aus Japan, Korea oder Russland importierte Ware.

Uns tut es sehr gut, viele Kontakte zu knüpfen, viele Meinungen, Lebensgeschichten und traditionelle Weisheiten zu hören und bisher ausschließlich hilfsbereite, sehr interessierte, offene Mongolen kennengelernt zu haben, vom studierten Jazzmusiker, in Ulanbaatar lebend bis zur Nomadenfamilie, die noch nie in Ulanbaatar gewesen ist.

04.09.2018

Hier findest du alle Infos und laufende Reiseberichte zu Veras Weltreise 2018.
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