Israel mit Kind

Familienreise nach Israel. Israel mit Kindern entdecken


Als mir meine beste Freundin Vera vor über einem Jahr erzählt hat, dass sie mit Mann und Tochter über den Jahreswechsel nach Israel reisen wird, war ich von der Idee nicht sehr angetan. Zu groß waren meine Bedenken, da ich persönlich doch ein sehr sicherheitsliebender Mensch bin.

Gleichzeitig habe ich sie aber sehr für ihren Mut, die Welt in allen Facetten zu entdecken, bewundert. Mit großer Begeisterung und einer ordentlichen Portion Fernweh im Bauch lese ich nun träumend ihren Reisebericht, in dem sie uns Leser mitnimmt in eine ferne und ganz fremde Welt.

So klein, so intensiv

Warst 15 Stunden wach, mit anschließenden 16 Stunden Schlaf, erst dann war Töchterlein angekommen: In dem kleinen, politisch hochaufgeladenen, pulsierenden Land voller Leben am Mittelmeer. Manche Dinge brauchen Zeit. So auch unsere Reise nach Israel. Erst nach 12 Jahren finden wir den Weg zurück ins gelobte Land.

Tel Aviv mit Kind

Erst als Töchterlein die brechenden, schäumenden, von schwarzen Wolken umrahmten Wellen mit ihren tanzenden Surfern erblickt, mit ausgestreckten Armen den breiten Tel Aviver Strand entlangsaust, erst dann übermannt sie mitten im Supermarkt um 15.30 Uhr der wohlverdiente Schlaf. Die kleine Hand fest um die noch nassen Muscheln geschlossen.

Kopfüber die künstlichen Sandberge, den brausenden Wellen des Jerusalem Strandes mitten in Tel Aviv entgegenrutschend, beim Glasbläser in Jaffa, 1000 Katzen fotografierend am alten Hafen, entführst Du uns in Deine Welt. Wir überdauern den winterlichen Regen im Spielhaus am Strand, werden dennoch klitschnass, essen überteuertes Eis, rutschen Treppengeländer hinauf und hinunter, malen für Robinson CruseL (;)) eine Insel und besitzen das wertvollste auf der Welt: Zeit.

Reise nach Israel mit Kind - Tel Aviv

Wir schlafen im Momos Hostel in der langen Ben Gurion Straße des hippen Tel Avivs, einst die günstigste Unterkunft, die wir 2005 im Sommer nach dem Schulabschluss finden konnten. Aus Nostalgiegründen finden wir uns erneut hier: das Gebäude noch maroder als damals und die Preise höher, allerdings mit Familie im Winter schwerer zu tolerieren als damals im Sommer. Damals gehörte uns die Welt, auch mit verstopften Toiletten. Diesmal stören mich die Eimer im Zimmer, die das Regenwasser, das stetig durch die Decke tropft, auffangen sollen.


Dort leuchtet die blinkende Weihnachtsmannmütze auf dem Kopf unseres Kindes beim Entzünden der dritten Kerze des Chanukaleuchters. Ist der Tag zu anstrengend in der Weltmetropole Tel Aviv, fällt auch das Einschlafen schwer. Die Gewitterfronten beleuchten den Strand in einem unwirklichen, lila anmutenden Licht und beschert uns einen Strom- und somit Heizungsausfall. Wir flüchten in das multimediale Museum zur jüdischen Kultur und fühlen uns gut aufgehoben und rundum informiert. Insbesondere die Modelle europäischer Synagogen fesseln uns. Doch am liebsten malt Töchterlein arabische Schriftzeichen ab.

Hilfsbereitschaft und Kinderliebe sind unermesslich in Israel

Dank gesprächigem Busfahrer und lustigen Fingerspielen kommen wir über Beer’Sheva in Mizpe Ramon mitten in der Negev, 800 m ü.NN. an. Wir schlafen im Wüstencamp mit dreißig anderen Personen in einem Zelt, beheizen dieses des Nachts mit Holz, um den Temperaturen um den Gefrierpunkt zu trotzen. Die Kälte weckt mich, nicht das Kind. Wir genießen den Sternenhimmel über der Wüste. Die Sonne lockt uns früh am Morgen nach draußen: zum Frühstücken, querfeldein wandern und reiten. Auf Moulan und dem Maultier Ludo reiten wir am Kraterrand Ramon. Den Sonnenuntergang und das entzünden der Chanukakerzen erleben wir weit oberhalb des Kraters am Aussichtspunkt. Der Tag ist geprägt von laufen, laufen, laufen. Hilfsbereitschaft und Kinderliebe sind unermesslich in Israel.

Familienreise Israel Wüstencamp

Ein Bus voller Soldaten, ein Maschinengewehr zeigt seinen Lauf in unsere Richtung. Das fühlt sich falsch an.

Panzer und die ägyptische Grenze, Krater und das gleisende Grau-Rot der Negev, mein Blick aus dem Fenster. Wir kommen nach Eilat. Am roten Meer ist es schön warm, Mann und Tochter stürzen sich in die Meeresfluten. Hungrig recke ich mein Gesicht der Sonne entgegen. Wir essen Falafel.

Der Hof des zentral am Busbahnhof und der Shoppinghauptstraße gelegenen Corinne Hostel wird unser Wohnzimmer, wir freunden uns mit ukrainisch-russischen, jüdischen Gästen aus Deutschland/Israel an, staunen über die verworrenen Schicksale ihrer Familie. Unser fensterloses Bunkerzimmer ist günstig und gewöhnungsbedürftig. Töchterlein ist als Fünfjährige kostenlos und teilt sich mit Papa ein 80 cm breites Stockbett aus Eisen. Ich liege oben. So verschlafen wir Silvester und heißen das neue Jahr zukunftstrunken, tatendurstig und abenteuerlustig willkommen!

Israel regt zum Träumen und Denken an

Gespräche über Weltreligionen begleiten uns am Frühstückstisch, imaginäre Welten aus Bauernhöfen, Tierarztpraxen und unterirdischen Höhlenlabyrinthen beim Spazieren. Startende und landende Flugzeuge des innerländischen Flughafens prägen das Stadtbild Eilats. Wir besuchen bei Regen die Unterwasserplattform und die Aquarienwelt des roten Meeres. So treffen ab jetzt Haie, Schildkröten auf Jonah und den Wal, die Bibel, Darwin und der Judenstern in unserer Fantasie aufeinander.

Familienreise Israel Aquarienwelt rotes Meer

Wir in der Sonne, sie im Meer

Am nächsten Tag lacht uns die Sonne versöhnlich entgegen als wir dem Hostelkeller entsteigen. Unsere frische Wäsche duftet im Wind und wir verbringen den Tag am Dolphins Beach lesend, Olivenbäume bekletternd und schnorchelnd am Meer. Freie Delphine besuchen diesen Strandabschnitt ohne Zwang und Anfütterung und lassen sich genießerisch unter den Seitenfloßen mit halbgeschlossenen Augen kraulen. Wir balancieren die schwimmenden Stege entlang und ruhen uns gemeinsam mit den Delphinen auf künstlichen Inseln aus. Wir in der Sonne, sie im Meer. Der alternative Strandabschnitt bietet Bastelmöglichkeiten für Kinder mit Naturmaterialien, wir schauen den Tauchern zu und lassen die Seele baumeln.

Familienreise Israel Delphine

Doch dann ruft die Wüste. Als professionelle Backpackerin genießt unsere Tochter die Busfahrt mit Sesamcrackern. In der Wüste füttern wir Riesenameisen, bewundern unser zu Hause auf Zeit, eine Lehmhütte nur für uns drei auf der Camelranch bei Dimona und verlieben uns in das Gemisch aus Sand- und Steinwüste. Nur 100 m ü.NN. ist es warm. Du ruhst in Hängematten, wir streicheln Kamele und erfreuen uns an Zähnen und dem Kiefergelenk einer Ziege. Trophäen aus einer anderen Zeitdimension. Wir essen Nudeln.

Israel mit Kindern Kamele füttern

Wüstenkräutertee, gesellschaftliche Zwänge und Selbstfindung

Unser neuer, erwachsener Freund ist ein deutsch, jüdischer Siedler aus dem Gaza Streifen, der im Kibbuzz aufwuchs. Wir reiten auf Kamelen mit einem Beduinen durch die Wüste und finden ein nahezu komplettes Kamelskelett. Abends diskutieren wir bei Wüstenkräutertee über gesellschaftliche Zwänge und Selbstfindung und werden mit einem köstlichen Beduinenmahl verwöhnt. Wir sind die einzigen Gäste.

Couchsurfing in Israel

Ein kroatisches Paar bringt uns über das tote Meer in ihrem gemieteten, erbsengroßen Kleinwagen zu unserer Couchsurfingfamilie nach Jerusalem. Am Shabbatabend bringt uns nur ein Taxi in den Vorort, öffentliche Verkehrmittel ruhen. Das Shabbatdinner ist umwerfend, lecker, großartig; lang und laut. Die ganze Familie kommt zusammen und isst. Die Kinder spielen und spielen und spielen bis Mitternacht. Wir verbringen mit zwei Müttern, zwei Kindern und acht Hunden unvergessliche Tage.

Familienreise Israel baden im Meer

Die zahlreichen, kontroversen Gepflogenheiten irritieren das kindliche Denken

Wir schlendern durch das christliche, jüdische und arabische Viertel der Jerusalemer Altstadt und lassen die Gerüche und Geräusche mit geschlossene Augen auf uns wirken. Wir besuchen die Auferstehungskirche und vollziehen Jesu Sterbegang auf der Via Dolorosa nach. Wir küssen die Steinplatte vor Jesu Grab und stecken einen Knittel in die Klagemauer. Die Führung zu den unterirdischen Teilen der Klagemauer ist hochinteressant, 90 m entfernt kommen wir dem Dome of Rock so nahe wie es als Nicht- Muslime nur irgendwie geht. Die zahlreichen, kontroversen Gepflogenheiten irritieren das kindliche Denken: Frauen mit und ohne Kopftuch, Frauen mit Perücken und bodenlangen Röcken, die dazugehörigen Männer mit Hut und kurzen Hosen. Verschleierung, Männer mit Kopfbedeckung. Arabisch sprechende Kinder beschimpfen unser Töchterlein und verfolgen dich. Papa wird, ohne politische Korrektheit, zum Löwen. Wir finden den gleichen Falafelstand von vor zwölf Jahren wieder.

Klagemauer Israel

Es gibt sie: Orte, an denen die Zeit stehen bleibt.

Wir laufen die Altstadtmauer entlang. Vor zwölf Jahren lagen hier Scharfschützen. Und auch sie gibt es: Orte, an denen die Zeit nicht stehen bleibt, im Guten wie im Schlechten. Zwei Anschläge geschehen in fünf Tagen, sieben Tote. Das Warum lässt uns nicht los.

Wir fahren ins palästinensische Gebiet und landen im Orient.

Es ist laut, dreckig, freundlich und herzlich. Hier wird gelebt, jeder heißt uns Touristen willkommen. Die Bazare sind voll, die Stimmung anti-israelisch. Wir besuchen die Geburtskirche Jesu, die Milchgrotte. Die 8 m hohe, quer durchs Land gezogene Apartheitsmauer ist bunt und voller Sprüche. Nicht nur die Israelis nutzen sie als Statement. Töchterlein beschließt, dass diese Mauer von euch, den Kindern, wieder zerstört wird, so wie sie von uns, den heutigen Erwachsenen erst gebaut wird.

Israel Apartheitsmauer

Die friedliche Zukunft erscheint uns meilenweit entfernt.

Den Checkpoint 30 durchqueren wir zu Fuß, in den Taschen ein neu erstandenes Holzkreuz und ein beklemmendes Gefühl in der Brust. Eine Annäherung findet ohne Wissen um den anderen nicht statt. In Schulen gibt es Palästina schlicht nicht.

Das Kindermuseum Science for Kids Bloomfield bringt uns auf andere Gedanken. Abends essen wir Chachuka, unser Mädchen isst alle Eierdotter und ist glücklich. Es wird Zeit gen Süden aufzubrechen. Der Abschied ist schmerzlich und herzlich. Die Tage am toten Meer sind unsere letzten in Israel. Das in die Jahre gekommene Leonardo Inn betört mit altem Parfümgeruch und Sowjetcharme und horrenden Preisen. Es windet, das Salz brennt auf der Haut, wir bauen eine Sandburg. Auch hier bestiehlt der Mensch aus politischer Uneinigkeit die Natur: das tote Meer verschwindet.

Totes Meer Israel

Danke Israel für Gedanken, wunderschöne Momente, ehrliche, ergreifende Begegnungen. Wir drei Gramms haben viel gelernt.

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