Warschau

Reisebericht Warschau - Weltreise 2018


Der erste Tag unserer großen Reise, gekennzeichnet von der Nacht im Bus zuvor, so dass Ankommen und Abschiednehmen sich die Hand geben. In Warschau werden wir zwei Tage verbringen. Für Töchterlein und Musikermann wird es der erste Aufenthalt in Polens Hauptstadt werden. Wir sind mit dem Sindbad Bus ohne Internet und funktionsfähiger Klimaanlage 15 Stunden von Frankfurt nach Warschau gefahren. Unsere Nerven liegen blank. Der Himmel ist so wechselhaft wie unsere Stimmung, die Tendenz zeigt nach unten. Die schöne Warschauer Innenstadt würdigen wir zunächst keinen Blick, der für die polnische Geschichte zentralen Universität bleibt kein Ohr, die Rucksäcke sind schwer, der Geist träge. Der Einstieg in unser Abenteuer zweifellos hart.

Backpacker Warschau

Wir sind tapfer, spielen Solitär und gönnen uns die berühmten polnischen Piroggi; Teigtaschen, ähnlich den Dumplings/Tortellini/Maultaschen/Momos, gefüllt mit allerlei Leckereien, traditionell als Hauptbestandteil enthalten sind Kartoffeln und/oder Kraut. Am nächsten Abend werden wir Gelegenheit haben uns durch die divers gefüllten Teigtaschen zu probieren: Waldbeerenfüllung als Appetizer, es folgen Füllungen aus weißem Käse und Kartoffeln (dies stellt die russische Variante dar), aus Pilzen, aus Kraut und Pilzen, aus Hackfleisch und aus Spinat; wir runden unser Mahl mit Krokiety, Pfannkuchen, ebenfalls gefüllt, paniert und in Fett gebacken, ab. Wir verzichten auf die leckeren Donuts, deren Füllungsvariationen kein Schleckermäulchen kalt lassen: Pudding, Marmeladen, Zimt, Eierlikör,... Diese polnischen Speisen sind alles andere als leicht und unglaublich lecker!
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Jede neue Situation erfordert einen Familienstreit, so auch diesmal, immerhin haben wir ihn direkt an Tag 1 hinter uns gebracht; wir haben die Luft zwischen uns gereinigt, all die angestauten Gefühle und Aufregungen der Wochen vor der Reise bahnten sich ihren Weg und kamen an die Oberfläche.

Tropfnass fühlen wir uns besser. Als wir im Eingang eines Hauses Schutz suchen bringt uns ein netter Hausbewohner seinen Regenschirm als Geschenk. Unsere Augen fallen zu, die Rücken ab (unser Packsystem benötigt Optimierung!) und wir warten auf unseren netten Couchsurfing-Host. Außerdem habe ich, wie zu jeder Reise, meine Zahnbürste in Deutschland zurückgelassen.

Bei selbstgemachtem Erbsen-Kartoffel-Speck-Würstchen Eintopf probieren wir uns durch typische polnische Biere hindurch und schlafen hinterher wie Steine. Gestärkt starten wir unsere 15 km Radtour durch Warschau. Warschau eignet sich hervorragend zum Fahrradfahren, Radwege sind überall, breit und komfortable ausgebaut. Dank der flexiblen Fahrradstationen überall in der Stadt finden wir passende Kinderfahrräder (über den Fahrradverleih citi handlowy, hierfür benötigt man allerdings eine online Registrierung und eine polnische Bankkarte. Als Tipp: In Warschau gibt es einige Couchsurfing Hosts, die sich über eine gemeinsame Fahrradtour auch ohne Übernachtung bei ihnen freuen!). Die Kosten sind hierbei sehr gering: maximal 7 Zloty (ca. 1,80 Euro)/Stunde.

Radtour Warschau

Wir radeln am grünen Flussufer der Weichsel entlang, entspannen uns im Park der Fontänen. Dort findet immer Freitag und Samstag abends in den Sommermonaten eine wunderschöne Lasershow um 21.30 Uhr statt, die Sagen und Legenden der Stadt Warschau vertont und illustriert – beeindruckend. Aber auch bei Licht finden sich Fontänen zum Selbstbedienen und Wasserspielen und ein großer Kinderspielplatz.

Backpacker Warschau

Die wieder erbaute Altstadt und die Neustadt sind touristisch, aber wunderschön und kompakt für kurze Kinderbeinchen. Warschau wurde im 2. Weltkrieg kurz vor der Befreiung durch Russland von der deutschen Luftwaffe komplett zerstört, da die von der in London sitzenden Exilregierung befehligte polnische Armee einen Befreiungsschlag durch eigene Kraft versuchte und scheiterte. Viele Mahnmale erinnern an die Kriegstage, das Warschauer Ghetto und die Aufstände dieser Zeit.

Das jüdische Museum ist donnerstags kostenfrei und sehenswert. Nicht alle Ausstellungsräume sind für Kinder geeignet, doch die Geschichte der Juden im Mittelalter im heutigen Europa ist sehr interaktiv gestaltet. Derzeit befindet sich die Sonderausstellung zur Emigrationswelle jüdischer Polen 1968 im Haus. Thematisch passend schlendert man durch das Gelände der Warschauer Universität. Zwischendurch erholen wir unsere Lungen bei typisch polnischen Teznia: Wasser läuft durch aufgeschichtete Weidenäste und reinigt die Luft, viele Kinder und ältere Menschen leisten uns Gesellschaft.
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Das Wahrzeichen Warschaus, der Kulturpalast, wurde von Russen zu Sowjetzeiten erbaut und ist das höchste Gebäude Warschaus. Vom 30. Stockwerk aus hat man einen fantastischen Blick über das Zentrum. Den Blick in die Ferne der Warschauer Vororte schweifen lassend finden sich viele, schön renovierte, Sowjetbauten mit ausreichend Grünflächen dazwischen.

Kulturpalast Warschau

Abends steigen wir in den Nachtbus nach Brest in Belarus und werden bereits fünf Stunden später an der Grenze geweckt. Dort verbringen wir weitere drei Stunden, denn die Formalitäten werden mit einer Gründlichkeit erledigt, der an Beispiel fehlt. Verwöhnt von innereuropäischen Grenzen sind wir ob der Gewissenhaftigkeit, Befehlsgewohnheit der Grenzbeamten und der Devotheit der Einreisenden überrascht. Eine extra halbe Stunde Wartezeit bescheren wir dem voll besetzten Reisebus von Ecolines, da uns als einzigen Westeuropäern im Bus die Immigrationskarte, die wir zusätzlich zu unserem Transitvisum benötigen, fehlte. Tschüss Europa – willkommen spannende, neue Welt!

18.07.2018

Hier findest du alle Infos und laufende Reiseberichte zu Veras Weltreise 2018.

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Weltreise Bericht aus Warschau

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