Ulaanbaatar Reisebericht (II)

Ulaanbaatar Reisebericht


Seit einiger Zeit wohnen unsere Backpacker nun in Ulaanbaatar. Nach ihrem ersten Bericht über Ulaanbaatars Sehenswürdigkeiten nimmt euch Vera nun ein weiteres Mal mit in die Hauptstadt der Mongolei und berichtet über das Leben in armen Vororten und den luxuriösen Hauch der Diplomatie

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Die Motoren kreischen und stolpern, die Autos schlingern durch Knöchel hohe Schlammlöcher, sie baden uns in lehmigem, fauligem Nass. Die gelbbauchige Gewitterwolke ist über unseren Vorort direkt hinter der Militärakademie der Mongolei hinweggezogen, die Hochhäuser, Jurten und Lehmhügel glänzen in fahlem Licht. Ein verlassener rosa Buggy mit drei Rädern steht einsam am Straßenrand.

Unsere neue Heimat ist kein reicher Vorort.

Im ersten Stock des 10 stöckigen Hochhauses regnet es durch die Decke. Tropfen für Tropfen reißt das Wasser den Putz ab, doch es stört niemanden. Nach quälend langen zwei Stunden hört es auf.

Die aus 100 % Kohleenergie gewonnene Heizwärme wird zentral kontrolliert und beginnt erst ab Oktober die Wohnungen zu wärmen. Ab und an frieren wir. Individuelle Wärmeregler pro Heizkörper suchen wir vergeblich. Dafür gibt es in bessergestellten Wohnungen Luftreiniger, ebenfalls elektrisch aus 100 % Kohleenergie betrieben.

Unter dem Treppenabsatz unserer Hochhauses wohnen Menschen, ein Bretterverschlag, kein Fenster und ein Vorhängeschloss. Wir stellen Reis, Nudeln und Konserven vor die Tür.

Der Winterpalast von Bogh Khan

Wir nehmen uns Zeit, weitere Highlights Ulaanbaatars zu erkunden: Den Winterpalast von Bogh Khan beschreiten wir inmitten japanischer und britischer Touristen.

Unsere Tochter ist sehr an den goldenen Buddhas, den Wandteppichen mit reichen Stickereien und dem wunderschönen, über 110 Jahre alten, im chinesischen Stil erbauten Tempel interessiert. Eine kleine grüne Oase umgeben von Plattenbau, Leuchtreklame und Abgas schwangerer Luft.

Man spürt wie nah die Stadt mit ihrem schnellen, hektischen Leben ist. Doch in den heiligen Mauern, umgeben von frischem grünen Gras lauschen wir dem Pferdekopfgeigenspieler.

Wir bestaunen die Königsjurte, bedeckt mit 110 Schneeleopardenfellen.

Eine weitere Oase der Ruhe ist das Tschoidschin Lama-Tempel-Museum, unweit des Sukhbaatar Platzes gelegen, voller Holzschnitzereien und ausgesperrtem Verkehrslärm. Wie in allen Museen zahlen wir auch hier nicht mehr als drei Euro Eintritt pro Erwachsenen.

Owoo – kultische Steinhaufen in der Mongolei

Owoos (auch Obo genannt) finden wir über das ganze Stadtgebiert verteilt. Als heiliger Platz der Schamenen wird das Owoo umrundet, mit Opfergaben, bunten Tüchern oder Steinen bestückt. Wir tänzeln, hüpfen, jagen und schlendern im Uhrzeigersinn um jedes Owoo, das uns begegnet.

Vom Beatles-Denkmal zum Schwarzmarkt

Weiter geht es auf unserem Stadtbummel zum Beatlesdenkmal, gesäumt von einer kleinen Fußgängerzone zwischen State Department Store und dem Nationalzirkus. Die Theater-, Zirkus- und Opernsaison beginnt Ende September.

Beatles Memorial Ulaanbaatar

Viel zu schauen und alles zu erwerben, von Jurtendachstangen, Pferdehalfter über Seife hin zu Bonbons, Klamotten und Fleisch gibt es auf dem Naran-Tuul Markt, auch als Schwarzmarkt (Black Market) bekannt. Der Name stammt aus der Zeit der Sowjetunion, mittlerweile ersteht man hier rein legale Markenkopien á la Jake Wolfskin ;).

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Über den Tuul in südlicher Richtung

Durch Ulaanbaatar murmelt der Fluss Tuul. Überqueren wir ihn in südlicher Richtung, vorbei an dröhnenden Hochhausbaustellen, durchlaufen wir den von Südkorea gestifteten, mit 30 m hohem, goldenem Buddha versehenen, leicht verwahrlosten Buddhapark.

Wir erklimmen 300 Stufen zur Zaison (auch Dsaison genannten) Gedenkstätte. Sie erinnert an die im 2. Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten. Waldgemälde zeigen Freundschaftsszenen zwischen den Völkern der Mongolei und der ehemaligen Sowjetunion.

Ulaanbaatar von oben, gegen den leuchtend blauen, mit gleißendem Sonnenlicht übergossenen Himmel: ein herrlicher Blick an einem der letzten, warmen Herbsttage.

Fluss Uul Ulaanbaatar

Geheimtipp in der Innenstadt

Zurück in der Innenstadt wartet ein wirkliches Highlight, oft besucht und hoch gelobt: der Fair Trade Laden von Mary und Martha. Sie verkaufen Schuhe, Spielsachen, Klamotten, Taschen und Schmuck aus über 40 Kooperationen aus der ganzen Mongolei. Wir sind begeistert!

Die Welt der Diplomaten

Am Wochenende trete ich in eine neue Welt ein: die Welt der Diplomaten. Julian spielt ein Benefizkonzert in der türkischen Botschaft, wir bewegen uns auf internationalem Parkett, knüpfen Kontakte zu Hotelmanagern, spielen mit Diplomatenkindern, deren Minipudeln oder schlürfen frisch gezapftes Bier.

Wenig low budget genießen wir am nächsten Tag den Dixieland Sonntagsbrunch im fünf Sterne Kempinski Hotel, gemeinsam mit der deutschen Kulturattaché in Ulaanbaatar. Spontan gibt Julian einige musikalische Einlagen. Das Niveau der am Ulaanbaatar Goethemusiklabor ausgebildeten Jazzmusiker ist auf international vergleichbarem, sehr hohen Level.

Kempinski Hotel Ulaanbaatar

Überrascht entdecke ich, dass der kluge, freundliche, hochgewachsene Mann aus der türkischen Botschaft, mit dem wir über Kindererziehung plauderten, der uns zu sich nach Hause in Sydney einlud, der General Manager eben diesen Hotels ist. Wundervoll, offen und interessant fühlt sich die Welt an!

Leider mussten unsere Backpacker auch das Gesundheitssystem in der Mongolei testen. Dazu mehr im Bericht über die Gesundheitsversorgung in der Mongolei..

18.09.2018

Hier findest du alle Infos und laufende Reiseberichte zu Veras Weltreise 2018.
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