Familienkost in Ghana

Dieser Bericht stammt von unserer lieben Freundin Vera ...

Gerne berichte ich von meinen kulinarischen Erfahrungen in Ghana, die ich in einem zweimonatigen Aufenthalt im Stammesgebiet der Ewe (süd-östliches Ghana und Teile Togos) sammeln durfte.

Hier habe ich meine bisherigen Erfahrungen bezüglich Essensschärfe, Süßigkeitenkonsum und frische Speisenzubereitung gehörig überdenken müssen. Denn wirkliche Süßspeisen sind bei den gut 14% der ghanaischen Bevölkerung zugehörigen Ewe nicht üblich, ebenso wurde mir immer das Kleinkind-Essen in dem Waisenhaus, in dem ich als freiwillige Helferin und Unterrichtskraft tätig war, serviert, da ich als „Yawuh“ („Weiße“) mehr einfach nicht ertragen konnte.

Doch nun der Reihe nach:
Ein gemeinsam eingenommenes Frühstück ist bei den Ewe eher unüblich. Große Kinder und Erwachsene essen häufig „Sogarbread“, vergleichbar mit den hießigen Milchbrötchen, aber meistens auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule.

Wird doch zu Hause gefrühstückt, was insbesondere für Kleinkinder gilt, gibt es gerne Reisbrei (Molu Dzogbo), Haferbrei (Koko) oder Maisbrei (Dzogbo), jeweils hergestellt mit Wasser. Dazu wird ein Gebäck aus Bohnen (engl. beans doughnut) gegessen. Dazu wird Wasser getrunken, wie zu den meisten anderen Mahlzeiten auch. Kaffee oder Tee sind unüblich, auch Milchprodukte tauchen auf dem täglichen Speiseplan kaum auf.

In Ghana ist das Essen mit Besteck nicht üblich, gerade auf dem Land bekommt man so auch in den Suppenküchen, in denen man lecker und kostengünstig am Straßenrand essen kann, keines angeboten.

Das Mittagessen ist trotz der Hitze reichhaltig und schwer. Hier gibt es als Sättigungsbeilage unterschiedliche Formen von (kohlenhydratreichen) Breien, die in ihrer Konsistenz so fest sind, dass sich jeder Hungrige mit der Hand aus dem großen Klos in der Mitte des Tisches bedient und diesen in seine vor ihm stehende Suppe stippt. Namentlich zu erwähnen gilt es hier Akpele, auch Kenkey genannt (gemahlenen Mais), Fufu (Maisbrei mit zerstoßene Kassava (Maniok), Reis (Molu) mit oder ohne Kidneybohnen oder ausschließlich Kidneybohnen (Ayi) werden gerne gegessen. Kassava wird auch ohne Mais als Brei gegessen, häufig wird Stärke zugefügt (Yake yake, Kokonte).

Gerade in Küstennähe oder in Nähe des Voltastausees wird gerne, viel und billig Fisch gegessen (Augen und Bäckchen gelten als Delikatesse und sind Gästen oder den Familienoberhäuptern vorbehalten). Dieser wird in den Suppen mitverarbeitet. Fleisch ist teuer und wird nur zu besonderen Anlässen serviert. Alle Suppen sind für den europäischen Gaumen sehr scharf, aber unglaublich lecker. Einige Suppenbeispiele sind Azin desi (Erdnusscremesuppe), Fetri desi (Okro Suppe), Dote desi (Ingwer Suppe) und Desi yiyi (Pfeffer Suppe).

Als Snack zwischendurch werden hartgekochte Eier mit scharfem Chillidip, frische Orangen, deren Saft aus der Orange direkt gesaugt wird, frittierte oder gegrillte Kochbananen, Whisap-Saft (roter Beeren Saft), teilweise auch gefroren als Eis (gerade für Kinder!) am späten Nachmittag verspeist.

Das Abendessen findet in großer, geselliger Runde am späten Abend statt. Häufig sind Küchen offene Räume ohne Türen oder die Kochstelle befindet sich vor dem Haus. Zusätzlich zu den schon für das Mittagessen typischen Breien und Suppen gibt es nun frittierte Kochbananen (Kewele), frittierte Süßkartoffel (Koliko) oder Ate (als Gemüsezubereitete Yamswurzel). Nachtisch ist, wie alle Süßspeisen, unüblich.

Insgesamt ist das ghanaische Essen scharf, gesund, ausgewogen und trotz der beschränkten Lebensmittelverwendung sehr abwechslungsreich. Akpele und Okra gibt es noch heute bei uns zu Hause zu essen (Kleinkind gerecht unscharf ;)), ganz traditionell ohne Besteck. Gerade für unsere kleine, 19 Monate alte, Tochter eine sehr sinnliche und leckere Erfahrung!!!

Essen in Ghana

Okrasuppe mit Fisch, Chili und Akple
Okrasuppe mit Fisch, Chili und Akple

Akple kochen
Akple kochen

Okra schneiden für die Suppe
Okra schneiden für die Suppe

Bizab trinken aus Schale
Bizab trinken aus der Schale