Was muss ein Vorschulkind können?

Was muss ein Vorschulkind können?


Schulleiter-Interview zur Frage was ein Kind können muss, wenn es in die Schule kommt: wichtige Kompetenzen von Schulanfängern und Tipps für die Eltern

Nächstes Jahr ist es soweit - das erste unserer drei Kinder kommt in die Schule. Mit gerade sechs Jahren wird unser Emil dann Mitte Juli in Hessen eingeschult. Der Stichtag ist hier der 30. Juni, so dass er zu den jüngsten Kindern gehören wird. Uns steht nun ein spannendes Jahr bevor und wir fragen uns, was ein Vorschulkind eigentlich können muss. Emils Oma leitet seit über 30 Jahren eine Schule in Rothenburg. Wir sitzen also direkt an der Quelle und haben uns für diese Frage ihre Expertenmeinung eingeholt.

bald bin ich ein Schulkind

Inhalt

Schulvoraussetzungen?

Für die Betrachtung der Schulvoraussetzungen bei einem Vorschulkind sind verschiedene Kompetenzbereiche wichtig, die wir euch mit ihren Inhalten vorstellen. Im Internet gibt es ja bereits viele Listen dieser Art. Daher findet ihr bei uns nur die Fähigkeiten, auf die es aus Sicht einer erfahrenen Schulleiterin wirklich ankommt.

Kinder unterscheiden sich in ihrer Entwicklung 2-3 Jahre

Beachtet bitte, dass es wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass die Lernvoraussetzungen von Schulanfängern in der Entwicklung 2-3 Jahre auseinanderdriften. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo um bestimmte Dinge zu lernen - was manches Kind schon mit 5 Jahren kann, lernt ein anderes erst mit 7.

Jedes Kind will lernen!

Vorschulkinder haben eine unglaubliche Auffassungsgabe und brauchen viel Anregung. Jedes Kind will lernen! Das gilt es zu erhalten und zu fördern. Viele Aufgaben übernimmt der Kindergarten, aber die Hauptverantwortung liegt bei den Eltern.

Man kann nicht ZUVIEL vorbereiten

Nach der Erfahrung von Schulleiterin Sabine Dohrmann kann man nicht zu viel vorbereiten. Im Gegenteil: Wissbegier zu unterdrücken kann großen Schaden anrichten und demotivierend für die Zukunft wirken. Es ist also schlimmer zu wenig zu tun.

Differenzierung heißt das Zauberwort

Die Vermittlung von Werten und Grundlagen für ein erfolgreiches Lernen sollte in jeder Familie erfolgen. Wenn ein Kind mehr wissen will, wie beispielsweise das Schreiben aus eigenem Antrieb lernen möchte, mit Mengen operieren will oder sich für Spiele über das empfohlene Alter hinaus interessiert, sollte das Kind nicht gestoppt werden. Diese Betonung ist uns besonders wichtig, da wir hier in Hessen in der Vergangenheit immer wieder gehört haben, das Kind sollte nicht zu viel Schulvorbereitung machen – ihm wäre sonst in der 1. Klasse langweilig. Die Schule ist verpflichtet mit den unterschiedlichen Lern-und Leistungsvoraussetzungen zurecht zu kommen und jede Kind individuell da abzuholen und zu fördern wo es sich befindet (=Differenzierung)!

Ist mein Kind schulreif?

Sprachkompetenz bei Schulanfängern

Zur Sprachkompetenz eines Vorschulkindes gehört das Sprechen in vollständigen Sätzen. Das Kind sollte über einen reichen Wortschatz verfügen.

Was kann man als Eltern tun um die Sprachkompetenz eines Kindes zu fördern?

  • Kinder orientieren sich am Sprachvorbild ihrer Eltern. Je blumiger und abwechslungsreicher die Eltern sprechen, desto detaillierter wird auch das Sprachbild des Kindes. Ausführliche Gespräche mit dem Kind sind also sehr wichtig. Antworten sollten als vollständige Sätze formuliert werden und Fragen nicht nur mit „ja“ oder „nein“ beantwortet. Ermutigt die Kinder zum Erzählen - direkter Blickkontakt ist dabei von großer Bedeutung. „Schau mich an...wie ist ... was wolltest du, wie meinst du das, wo ist, holst du bitte...“. Je öfter solche Gespräche im Alltag (beim Einkaufen, im Kinderzimmer, in der Küche) trainiert werden, desto sicherer wird das Kind im Umgang mit seiner eigenen Sprache.
  • Lesen ist Fernsehen im Kopf, regt die Sprachentwicklung und die Phantasie an. Vorlesen sollte daher ein festes Ritual in eurem Familienleben sein. Auch das Erzählen von Bildgeschichten und das Weiterspinnen von Geschichten (was wäre, wenn; wie könnte es weitergehen) und das Werten üben (wie findest du, was gefällt dir daran, was nicht) und begründen (glaubst du das, warum könnte das so sein) unterstützt die sprachliche Entwicklung des Kindes maßgeblich.
  • Nehmt euch Zeit und lasst eure Kinder ausreden.


Vorlesen für Vorschulkinder?

Sozial – emotionale Kompetenz bei Schulanfängern

  • Ein Vorschulkind sollte in der Lage sein über sich Auskunft zu geben: Name, Adresse, der eigene Geburtstag und das Aufzählen der Familienmitglieder sollten keine Schwierigkeit sein. ( Ich heiße..., ich wohne, ich habe x Geschwister etc.)
  • Beim Vorstellen und Begrüßen sollte das Vorschulkind sein Gegenüber ansehen. Dieses wünschenswerte Verhalten sollte aber niemals erzwungen werden, denn an dieser Stelle sind auch introvertierte, hochsensible, temperamentvolle und distanzlose Kinder zu bedenken, die wir euch in einem Extraartikel genauer vorstellen werden.
  • Wichtig ist für das Kind das Senden von Ich-Botschaften bei Streitigkeiten (““lass das...“, „ICH möchte das nicht...“)
  • Das Vorschulkind sollte Spiele und ihre Regeln beherrschen und über eine gewisse Frustrationstoleranz verfügen. Verlieren können muss man auch lernen – es ist also wenig sinnvoll das Kind bei Familienspielen des guten Friedens wegen gewinnen zu lassen.


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  • Zur sozial-emotionalen Kompetenz gehört es, dass das Kind Bitte und Danke sagen kann und sich bei Fehlern entschuldigt.

Kognitiv / mathematisch, optische Differenzierung, phonematisches Bewusstsein bei Schulanfängern

  • Ein Vorschulkind sollte in der Lage sein sich 2-3 Aufgaben zu merken und auszuführen( nimm dein Rechenbuch, schlag Seite 7 auf und kreise mit dem Bleistift xyz ein). Dieses Verständnis lässt sich ganz einfach im Haushalt üben. (gehe in die Küche, mach die 3. Schublade auf und hole uns 2 Teller).
  • Ein Vorschulkind sollte die Mengen bis 6 simultan ohne Nachzählen zu müssen erkennen. Das könnt ihr einfach beim Tisch decken üben (wie viele sind wir, nimm 6 Gabeln etc ). Das Kind sollte mit diesen Mengen operieren können (mehr, weniger, von bis fehlen...)
  • Es gibt viele spannende Strategiespiele für Kinder im Vorschulalter, die das logische Denken fördern.
  • Das Vorschulkind sollte Formen und Farben erkennen, benennen und zuordnen können. Es sollte Muster nachzeichnen, vervollständigen und erweitern. Um das spielerisch zu üben gibt es tolle Vorschulblöcke*, die Kinder im Vorschulalter i.d.R. begeistert annehmen. Aber auch der LÜK-Kasten* bietet viele Übungen dafür.


Vorschulübungen

  • Das Vorschulkind sollte einfache Lerntechniken kennen und anwenden können (kreise ein, verbinde, male aus, zeichne... )
  • Ein Vorschulkind sollte eine Vorstellung über sich und seine Umwelt haben (Allgemeinwissen). Dazu gehören Grundkenntnisse über die Natur und die Welt. Fördern könnt ihr dieses Allgemeinwissen, indem ihr euch mit eurem Kind viel unterhaltet und bei Spaziergängen etc. erklärt. Auch der sinnvolle Umgang mit verschiedenen Medien gehört dazu, Im Fernsehen gibt es gibt es wertvolle Sendungen, ebenso sind lehrreiche Apps für Tablets verfügbar.


Kinder entdecken die Welt

  • Die Jahreszeiten und ihre Besonderheiten sind dem Vorschulkind bekannt. Es kennt verschiedene Fest- und Feiertage und eventuell sogar schon ihre Bedeutung.
  • Das Vorschulkind kann sich im Raum orientieren: was befindet sich über..., unter, neben, auf, hinter, rechts, links von. Das könnt ihr zu Haus auch spielerisch üben.
  • Das Vorschulkind kann Reimwörter mit und ohne Hilfe von Bildern bilden: Hase - Nase, Hose - Rose , Hupe - Lupe, ... Kinder, die solche Wortspiele regelmäßig mit ihren Eltern machen, entwickeln schnell ein Gefühl für diese Technik. Das Heraushören der Anlaute, Inlaute und Schlusslaute ist eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Lesen und Schreiben-Lernen.
  • Motorische Fähigkeiten bei Schulanfängern

  • Es ist wichtig, dass ein Vorschulkind den Stift richtig im Pinzettengriff halten kann. Damit gelingt das genaue Nachspuren von Linien, das eine Voraussetzung für das Schreiben in Zeilen ist . Auch lassen sich mit richtiger Stifthaltung Flächen und Bilder schneller und sauberer ausmalen.


  • Pinzettengriff bei Schulanfängern Zeichnen lernen

    • Es ist sinnvoll die Feinmotorik mit verschiedenen Schreibwerkzeugen zu trainieren. Filzstifte sind da in der Regel weniger hilfreich. Qualitativ hochwertige Buntstifte* und Bleistifte gehören in jeder Kinderhand. Die in vielen Grundschulen genutzten Schreiblernbleistifte sind anfangs bestimmt sinnvoll, sobald Kinder den Druck der Hand gut regulieren können sollte nach der Meinung von Sabine Dohrmann zugunsten eines sauberen Schriftbildes und der Ausprägung einer eigenen Handschrift der Schreiblernfüller* zum Einsatz kommen. Solche Schreiblernfüller gibt es auch speziell für Linkshänder. In Sachsen beginnen Schulanfänger sofort mit dem Füller zu schreiben und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Besonders stolz sind Vorschulkinder, wenn sie das zu Hause schon einmal probieren dürfen. Der erste Füller ist etwas ganz besonderes und sollte auch so aufbewahrt werden.
    • Ebenso sind das Beherrschen einer Schere, das Schneiden an einer Linie, genaues Falten nach Anleitung, das Fädeln und ein sauberer Umgang mit Klebstoff wichtige Grundvoraussetzungen für den Schulanfang.


    Schneiden, kleben, falten beim Vorschulkind

    • Ordnung ist die halbe Miete: Kinder, die sorgsam mit ihren Materialien umgehen (Blätter abheften, aufräumen, Dinge der Größe nach stapeln, Stifte spitzen) haben es im Schulalltag leichter und können sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren.
    • Eine saubere Feinmotorik kann sich nur entwickeln, wenn auch die Grobmotorik stimmt! Deshalb solltet ihr euch mit euren Kindern soviel bewegen wie möglich. Balancieren, das Hüpfen mit geschlossenen Beinen (auch im Wechselschritt), und das Zielwerfen mit einem Ball sind wichtige Basics für den Schulanfang.


    Motorik bei Vorschulkind und Schulanfänger

    Welche Bereiche sollten Eltern noch mit ihren Vorschulkindern trainieren?

    Neben den genannten Standardkenntnissen berichtet und Frau Dohrmann noch von 3 weiteren Bereichen, bei denen mancher Schulanfänger nicht genügend vorbereitet ist und anfangs große Probleme hat:
    • Garderobenräume/ Flure: Morgens kommen die Schulkinder fast alle gleichzeitig an ( bei ihr sind es 160 Kinder) und müssen ihre Hausschuhe anziehen und die Jacken aufhängen. Dafür haben sie zwar ihren eigenen Bereich, aber oft keinen persönlichen Platz für Jacke, Sporttaschen, Schuhe etc. Beim Umziehen gibt es auch keine direkte Aufsicht oder Hilfe. Da es dabei oft zu Gerangel, Suchereien und auch Streit kommt, solltet ihr das eigenständige Umziehen und das ordentliche Aufhängen der Kleidung frühzeitig mit euren Kindern üben.
    • Cafeteria: Kinder, die wissen, wie man ordentlich isst und die sich selbst das Essen schneiden können haben es leichter. Das Essen alleine holen und sich einen Platz suchen sind neue Herausforderung. Auch sitzt i.d.R keiner daneben und schneidet Fleisch oder Kartoffeln. Dann kann es schnell mal vorkommen dass ein Lehrer meckert wenn er sieht wie die Kinder essen.
    • Das Umkleiden zum Sport dauert oft zu lange. Auch hier sind wieder viele Kinder auf engstem Raum, die sich unter Zeitvorgabe umziehen müssen. Oft gibt es keine Fächer, nur lange Bänke und eventuell einen Haken. Hilfreich ist es dann, wenn die Kinder gelernt haben ihre Sachen gleich wieder auf rechts zu drehen und ein "Päckchen " damit zu packen. Sportlehrer bekommen bei Erstklässlern oft graue Haare, müssen überall helfen, suchen, Streit schlichten. Deshalb empfiehlt es sich, an Sporttagen schnelle einfache Kleidung anzuziehen.

    Fazit

    Alle genannten Dinge verstehen sich als Anregungen, mit denen ihr euer Kind auf den Schulstart vorbereiten könnt und nicht als Liste, von der ein Punkt nach dem anderen abgehakt werden muss. Aber bedenkt:

    Je sicherer Kinder im Schulumfeld sind, umso mehr haben sie den Kopf frei für das Lernen und alles was damit in Verbindung steht.



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